Ohrakupunktur (TCM)

Definition

Bei der Ohrakupunktur handelt es sich um eine Sonderform der Akupunktur, die am Ohr durchgeführt wird.

Herkunft

Über reflektorische Zusammenhänge zwischen Ohrarealen und bestimmten Körperregionen wird bereits im „Huangdi Neijing“, dem „Buch des Gelben Kaisers über Innere Medizin“ berichtet. Dies ist eines der wichtigsten Grundlagenwerke der chinesischen Medizin, das wahrscheinlich um 200 v. Chr. entstand. Vor etwa 2000 Jahren setzte man in Persien und in Ägypten die Ohrakupunktur als Mittel zur Empfängnisverhütung ein und um Schmerzen zu lindern. Im 4. Jahrhundert v. Chr. versuchte Hippokrates Impotenz durch Aderlass am Ohr zu heilen. Der italienische Arzt Antonio Valsalva berichtete 1717 über die Kauterisation (Behandlung mit einem Brenneisen) am Ohr zur Behandlung von Zahnschmerzen.

Seit etwa 1950 wurde die Ohrakupunktur systematisch von dem französischen Arzt Paul Nogier (1908-1996) untersucht. Er begann damit, Ischialgien und Lumbalgien bei seinen Patienten durch Kauterisation bestimmter Stellen der Ohrmuschel zu behandeln. Später experimentierte Nogier mit Nadeln und stellte fest, dass damit die gleichen Behandlungsergebnisse erzielt werden konnten. Nach zahlreichen weiteren Untersuchungen entwickelte der französische Arzt schliesslich die Theorie, dass einzelne Organe oder Körperregionen mit bestimmten Bereichen der Ohrmuschel in Verbindung stehen und stellte ein System von 108 Punkten am Ohr zusammen, durch deren Reizung die korrespondierenden Körperbereiche beeinflusst werden können. Im Jahr 1956 stellte Nogier seine „Aurikulotherapie“ auf einem französischen Akupunkturkongress erstmalig der Fachwelt vor. Sein Therapiekonzept wurde von vielen Akupunkteuren aufgegriffen und gelangte auch nach China. Dort bestätigten chinesische Ärzte die Wirksamkeit der Methode und ergänzten sie durch das Wissen der chinesischen Medizin. Seither wird in China die Ohrakupunktur parallel zur Körperakupunktur verwendet. Auf diese Weise entstanden zwei verschiedene Richtungen der Ohrakupunktur: die französische und die chinesische Schule.

Grundlagen

Die Ohrakupunktur beruht auf der Vorstellung, dass die Ohrmuschel einen auf dem Kopf liegenden Fetus widerspiegelt. Anhand dieses Bildes ergibt sich eine Repräsentation der Körperregionen und -organe in bestimmten Bereichen des Ohrs, so finden sich beispielsweise am Ohrläppchen die Reflexzonen der Kopforgane, am Rand der Ohrmuschel diejenigen der Wirbelsäule usw. In der oberen Ohrhälfte sind im vorderen Bereich die Beine lokalisiert, im hinteren die Arme.

Bei einer Erkrankung oder Fehlfunktion eines Körperteils oder Organs kann aufgrund der reflektorischen Verschaltung an den korrespondierenden Stellen des Ohrs ein veränderter Hautwiderstand gemessen werden. Diese Zusammenhänge nutzt man zur Diagnose: Bei der sogenannten Aurikulodiagnostik wird mit einem speziellen Gerät am Ohr nach Stellen mit einem veränderten Hautwiderstand gesucht. Durch das Einstechen von Nadeln in die gefundenen Punkte und Zonen am Ohr können die erkrankten Organe oder Körperbereiche positiv beeinflusst werden.