Tibetische Medizin

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Die tibetische Medizin (tibetisch: gso-pa rig-pa = das Wissen vom Heilen) gehört zu den ältesten Medizinsystemen der Welt. Die Behandlung beruht auf einer ganzheitlichen Betrachtungsweise des Menschen und zielt darauf ab, das verlorene Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele wieder herzustellen.

Die Ursprünge der tibetischen Medizin lassen sich bis in die vorbuddhistische Zeit – die Ära der Bön-Gesellschaft (ungefähr 2000 v. Chr.) – zurückverfolgen. Mit der Einführung des Buddhismus in Tibet im 7. Jahrhundert n. Chr. wurde auch die tibetische Schrift weiter entwickelt. Medizinische Texte aus der indischen, persischen und chinesischen Medizin wurden ins Tibetische übersetzt und die darin beschriebenen Verfahren fanden Eingang in die tibetische Heilkunst.
Im 8. Jahrhundert schrieb der berühmte tibetische Arzt Yuthok Yonten Gonpo der Ältere (708-833) eine erste Version der „Vier Medizinischen Tantras“ (tibetisch: Gyüshi = vier Wurzeln) als Synthese der damals bekanntesten medizinischen Wissenssysteme.
Auf Basis der ursprünglichen Texte verfasste Yuthok Yonten Gonpo der Jüngere (1126-1202) im 12. Jahrhundert die heutige Version des „Gyüshi“, das noch heute als Grundlagenwerk der tibetischen Medizin gilt.
Ihre endgültige Prägung erhielt die tibetische Medizin im 17. Jahrhundert unter dem fünften Dalai Lama (1617-1682). Seinen Wünschen entsprechend veranlasste sein Stellvertreter, der Regent Sangye Gyamtso (1653-1705) die Gründung von Chakpori in Lhasa, der ersten Hochschule für tibetische Medizin und Astrologie. Sangye Gyamtso überarbeitete ausserdem das Gyüshi und verfasste einen berühmten Kommentar mit dem Titel „Blauer Beryll“. 79 Gemälde (Rollbilder), die Medizin-Thangkas, illustrierten den Kommentar. Das Gyüshi, der „Blaue Beryll“ sowie die Thangkas sind bis heute die Grundlage für die Ausbildung der tibetischen Ärzte.
Die tibetische Medizin breitete sich unter anderem in der Mongolei, in Sibirien (Burjatien), in Nepal und in Russland aus.
Während der chinesischen Besetzung Tibets im Jahr 1959 wurde die tibetische Medizin-Hochschule Chakpori zerstört. Dabei gingen Teile des überlieferten und des praktischen Wissens verloren. Im Jahr 1961 gründete der 14. Dalai Lama (geboren 1935) im indischen Exil eine neue Hochschule für Medizin und Astrologie (Men-Tsee-Khang in Dharamsala) mit dem Ziel, das traditionelle Wissen der tibetischen Medizin zu bewahren und weiterzuentwickeln. Heute gibt es in Indien mehrere Kliniken und Zentren, die sich auf die tibetische Medizin spezialisiert haben. Aber nicht nur in Asien, sondern auch in Europa findet die tibetische Medizin zunehmend Beachtung. Weltweit gibt es rund 2000 ausgebildete tibetische Ärzte.

Die tibetische Medizin ist eine sanfte, auf die Natur des Menschen abgestimmte Medizin, die auf einer ganzheitlichen Betrachtungsweise beruht: Der Mensch wird nicht als isoliertes Wesen gesehen, sondern als Organismus, der in seine Umgebung eingebettet ist und mit ihr in einem steten Austausch von Materie und Information steht. Nach Auffassung der tibetischen Medizin werden Krankheiten durch die drei „Geistesgifte“ Anhaftung, Hass und Verblendung verursacht, die wiederum die drei Körperenergien Wind (rLung, das bewegende Prinzip), Galle (mTripa, das wärmende Prinzip) und Schleim (Bedgan, das stabilisierende, kühlende Prinzip) beeinflussen. Diese drei Begriffe sind nicht gleich zu stellen mit den Körpersäften der westlichen Humoraltherapie, sondern bezeichnen vielmehr energetische Zustände und Formen. So steht Galle für unterschiedliche Arten von Wärme im Körper, Schleim hat einen stabilsierenden Einfluss und steht für alles Flüssige im Körper und Wind steht für jede Bewegung in Körper und Geist. Die drei Körperenergien beherrschen alle vitalen Funktionen des Organismus und sind eng verbunden mit den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Über die fünf Elemente steht der Mensch und seine innere Welt in Kontakt mit der äusseren Welt und dem Universum.
Befinden sich die drei Körperenergien in einem harmonischen Gleichgewicht, ist der Mensch gesund. Ein Ungleichgewicht der Körperenergien kann leichte oder schwere Beschwerden und Krankheiten auslösen. Aber auch Faktoren wie die Ernährungsweise, der Lebensstil, die Denkweise und die klimatischen Bedingungen können die Gesundheit beeinflussen. So verstärkt sich zum Beispiel die Tripa-Energie, wenn man sich an trockenen und heissen Orten aufhält. Ziel der tibetischen Medizin ist es, die aus dem Gleichgewicht geratenen Körperenergien wieder zu harmonisieren.

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