Wegweiser für Patienten

Die Erfahrungsmedizin bietet ein breites Spektrum an Behandlungsmethoden, die sowohl in der Therapie als auch in der Prävention und der Gesundheitsförderung hilfreich sein können.

Patienten, die erfahrungsmedizinische Behandlungsmethoden nutzen möchten, können sich in der Schweiz entweder an einen Arzt mit einer entsprechenden Ausbildung wenden oder an einen nicht-ärztlichen Therapeuten. Die Wahl einer passenden Methode und eines geeigneten Therapeuten fällt jedoch aufgrund der grossen Angebotsvielfalt nicht immer leicht.

Auswahl eines Therapeuten

Viele Patienten verlassen sich bei der Wahl eines Therapeuten auf die Empfehlung eines Verwandten oder Bekannten. Diese Einschätzung einer Vertrauensperson ist wichtig und gibt wertvolle Anhaltspunkte für die Entscheidung. Es handelt sich jedoch um eine subjektive Erfahrung – Menschen sind verschieden und während eine Behandlung bei dem einen Patienten gute Erfolge zeigt, kann sie bei einem anderen ohne Wirkung bleiben. Ausserdem kommt es auf den persönlichen Eindruck an: Wenn die «Wellenlänge» zwischen Therapeut und Patient nicht stimmt, ist das keine gute Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung.

Die Qualifikation und Seriosität eines Therapeuten richtig einzuschätzen, ist für Patienten oftmals schwierig. Hier helfen Register und Gütesiegel wie das EMR-Qualitätslabel.

Ein Therapeut mit EMR-Qualitätslabel erfüllt folgende Qualitätskriterien:

  • Nachweis einer abgeschlossenen Ausbildung an einer professionellen Ausbildungsstätte mit einer bestimmten Mindestzahl an Ausbildungsstunden je nach Methode
  • Nachweis einer regelmässigen Fort- und Weiterbildung
  • Erfahrung im Umgang mit Patienten
  • Berufsmässige Ausübung der therapeutischen Tätigkeit
  • Guter Leumund
  • Berufshaftpflichtversicherung
  • Anerkennung der Auskunftspflicht gegenüber den Patienten
  • Führen von Patientendokumentationen
  • Einhalten des EMR-Berufskodex

Auch eine Mitgliedschaft in einem Berufsverband kann ein Bewertungskriterium sein, denn Aufnahmen und Verbleib in Berufsverbänden sind häufig ebenfalls an bestimmte Qualitätskriterien geknüpft.

Informationen zur Behandlung

Wer eine Behandlung mit einer erfahrungsmedizinischen Methode beginnt, möchte zumindest eine Vorstellung davon haben, was ihn erwartet. Nicht jeder weiss auf Anhieb, welche Behandlungsformen sich hinter Bezeichnungen wie An-Mo oder Touch for Health verbergen. Im EMindex sind unter Methodensuche 168 verschiedene erfahrungsmedizinische Methoden aufgeführt. Durch Anwählen einer Therapiemethode erhalten Sie wertvolle Hintergrundinformationen. Mit einem Klick werden alle Therapeuten des EMindex gesucht, die diese Therapiemethode anbieten.

Weitere Tipps, wie Sie sich über erfahrungsmedizinische Methoden informieren können:

  • Rufen Sie einen Therapeuten an, der die gewünschte Behandlungsmethode anbietet. Er gibt sicher gerne Auskunft.
  • Suchen Sie im Internet nach dem Berufsverband für diese Methode und stellen Sie dort Ihre Fragen. So zum Beispiel bei der Organisation der Arbeitswelt OdA KT bzw. OdA AM oder dem Dachverband Xund.
  • Auch einige Internetportale stellen Zusammenfassungen von erfahrungsmedizinischen Methoden zur Verfügung, beispielsweise meine-gesundheit.de oder sprechzimmer.ch. Zudem können auch viele Bücher einen Überblick über Behandlungsmethoden der Erfahrungsmedizin vermitteln.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über erfahrungsmedizinische Behandlungsmöglichkeiten. Eventuell kennt er Verfahren, die zu der erforderlichen schulmedizinischen Behandlung passen.

Ablauf einer Behandlung

Ein seriöser, gut qualifizierter Therapeut sollte während der Behandlung bestimmte Standards einhalten. Therapeuten mit EMR-Qualitätslabel sind beispielsweise verpflichtet, den EMR-Berufskodex zu wahren. Dieser fasst die wichtigsten ethischen Werte und Normen zusammen und legt die Grundsätze für professionelles therapeutisches Handeln fest.

Wichtige Punkte, die einen seriösen Therapeuten auszeichnen:

  • Der Therapeut fragt vor Behandlungsbeginn nach Ihrer Krankengeschichte und der schulmedizinischen Diagnose.
  • Er klärt Sie über seine Behandlungsmethoden sowie über die Möglichkeiten und Grenzen, Risiken und Nebenwirkungen der Behandlung auf.
  • Der Therapeut informiert Sie über den Behandlungsplan, die Kosten, Zahlungsmodalitäten und Versicherungsleistungen.
  • Er vereinbart gemeinsam mit Ihnen die Behandlungsziele und den Behandlungsablauf.
  • Er beantwortet bereitwillig all Ihre Fragen – auch wenn sie kritisch sind.
  • Die Behandlung durch den Therapeuten ist stets respekt- und würdevoll. Zudem achtet er auf Ihre Rechte.
  • Der Therapeut führt eine Patientendokumentation, die Sie auf Wunsch einsehen können.
  • Sie erhalten eine korrekte Rechnung für die Abrechnung mit der Krankenversicherung.
  • Der Therapeut ist sich der Grenzen seiner beruflichen Kompetenzen bewusst. Er bricht zum Beispiel die Behandlung ab, wenn sich keine Besserung zeigt, und leitet Sie bei Bedarf an einen erfahrungsmedizinischen Kollegen oder einen Arzt weiter.
  • Wenn die Behandlungsziele erreicht sind, beendet der Therapeut seine Behandlung.

Unseriöse Therapeuten

Als Patient sollten Sie sich bei Ihrem Therapeuten wohl fühlen. Tritt ein ungutes Gefühl auf, sei es aufgrund der Behandlung oder wegen der Persönlichkeit des Therapeuten, beenden Sie die Behandlung sofort.

Folgende Punkte sollten Sie misstrauisch werden lassen:

  • Der Therapeut weiss sofort, welche Beschwerden Sie haben, auch ohne Sie gründlich untersucht oder befragt zu haben.
  • Sie werden bedrängt, einer bestimmten Behandlung zuzustimmen.
  • Der Therapeut behauptet, seine Behandlung habe keine Risiken und Nebenwirkungen.
  • Er weckt bei Ihnen falsche Hoffnungen auf eine vollständige oder umfassende Heilung.
  • Der Therapeut nutzt Ihr Abhängigkeitsverhältnis als Patient aus, zum Beispiel indem er mit Ihnen Beziehungen materieller, emotionaler oder sexueller Natur eingeht.
  • Der Therapeut äussert sich negativ über die Schulmedizin oder andere Behandlungsmethoden. Oder er mischt sich in laufende schulmedizinische Behandlungen ein, indem er von Ihnen verlangt, diese abzubrechen oder die Einnahme bestimmter Medikamente abzusetzen.
  • Der Therapeut droht damit, Ihre Beschwerden würden sich verschlimmern, wenn Sie seine Anweisungen nicht befolgen.
  • Ihre Behandlung wird immer wieder verlängert und es werden eventuell sogar Vorauszahlungen verlangt.

Grenzen des Qualitätslabels

Bevor ein Therapeut das EMR-Qualitätslabel erhält, prüft das EMR verschiedene Qualitätskriterien, die seine berufliche Kompetenz abbilden sollen. Dies stellt jedoch keine Garantie für einen Behandlungserfolg dar. Auch kann das EMR nicht überprüfen, wie die Qualität der täglichen Arbeit des Therapeuten ist oder wie gut seine sozialen Kompetenzen sind. Beschwerden über einen Therapeuten oder seine Behandlungsweise sollten Patienten direkt an den jeweiligen Berufsverband, den Kantonsarzt oder ihren Versicherer richten.

Abrechnung mit Versicherern

Anthroposophische Medizin, Homöopathie, Phytotherapie und traditionelle chinesische Medizin werden seit dem 1. Januar 2012 wieder provisorisch im Rahmen der obligatorischen Grundversicherung vergütet. Dies gilt jedoch nur für Leistungen, die von einem Arzt mit einem Fähigkeitsausweis FMH in einer der genannten Methoden erbracht werden.

Die Kosten von allen anderen erfahrungsmedizinischen Behandlungen von nicht-ärztlichen Therapeuten werden von der Krankenversicherung nur rückerstattet, wenn der Patient eine entsprechende private Zusatzversicherung abgeschlossen hat.

Bei diesen Zusatzversicherungen handelt es sich um privatrechtliche Verträge. Das bedeutet, dass die Versicherer die Zusatzversicherungen nach eigenem Ermessen gestalten und handhaben können. Welche Behandlungsmethoden oder Heilmittel vergütet werden, in welcher Höhe die Kosten übernommen werden, wie hoch die Selbstbeteiligung ist und welche Therapeuten als Leistungserbringer akzeptiert werden – all diese Details sind von Versicherung zu Versicherung und von Vertrag zu Vertrag verschieden. Gleiches gilt auch für die Erstattung von Kosten aus dem Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention.

Darüber hinaus passen die Versicherer die Listen der von ihnen anerkannten Therapeuten und Behandlungsmethoden manchmal an, auch für bereits bestehende Verträge. Deshalb kann es passieren, dass die Kosten für eine bisher erstattete Therapie zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr erstattet werden.

Deshalb: Klären Sie unbedingt – am besten schriftlich – vor Beginn einer erfahrungsmedizinischen Behandlung bei Ihrer Versicherung ab, ob und in welcher Höhe die Kosten dafür übernommen werden.

Wenn Sie die Zusatzversicherung wechseln möchten, sollten Sie beachten, dass normalerweise nur Personen aufgenommen werden, die nicht chronisch krank und jünger als 60 Jahre sind. Darüber hinaus haben die Versicherer die Möglichkeit, bei bestimmten Vorerkrankungen einen «Vorbehalt» anzubringen. Das bedeutet, dass dann die Behandlungskosten für diese Erkrankung vom Versicherungsumfang ausgenommen sind. Ein Wechsel der Zusatzversicherung sollte deshalb gut abgeklärt werden.